Titel
Filmen als eine Form forensischer Erzählung
Untertitel
metroZines#3
01.07.2025
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dérive Nr. 100, Juli - Sept. 2025

Beschreibung

"Unter welchen äußeren und bildeigenen Bedingungen können Bilder zu einer nachhaltigen Denormalisierung von Gewaltexzessen führen – und damit die Betrauerbarkeit ihrer Opfer ermöglichen? Nicht allein dadurch, dass sie bestimmte Emotionen wie Trauer, Mitleid, Wut oder Hass hervorrufen. Gegen eine solche ›Linearität‹ im Wirken von Bildern argumentiert die Journalistin und Kulturwissenschaftlerin Anne Huffschmid in ihrem Essay Das Atmen der Bilder. Schwarze Löcher und forensische Imagination. Sie plädiert dafür, Bilder als Räume zu verstehen, also als Orte, die Diskurse eröffnen und Unerhörtes sagbar machen. In ihrem Essay dekonstruiert Huffschmid den Montageprozess ihres Dokumentarfilms Persistence (2019, 53 Minuten, online verfügbar auf Kanopy) und beschreibt das Filmen als eine Form forensischer Erzählung. Ihr Konzept des »Atmens der Bilder« meint, dass die Betrachtenden »im Bildgeschehen« selbst zu Suchenden werden und körperlich in das Geschehen involviert sind. Diese körperliche Dimension zeigt sich eindrücklich in den »forensischen Landschaften« Mexikos: Angehörige knien im trockenen Erdreich, riechen an Aushub, suchen nach den verscharrten Überresten ihrer Liebsten. In dieser Kargheit liegen eine eindringliche, schmerzhafte Intensität und eine Bildsprache, die jeder Regel der Unterhaltung widerspricht und auf das Gemüt drückt."

Frank I. Müller bespricht das metroZines#3 "Das Atmen der Bilder. Schwarze Löcher und forensische Imagination" von Anne Huffschmid in der dérive.