An Architektur 4–9
Krieg und die Produktion von Raum
An Architektur 4
US Naval Base Guantánamo Bay: Recht und Raum
Guantánamo Bay ist in einem gewissen Sinn einzigartig. Es stellt aufgrund seiner spezifischen Rolle in der Rechtsordnung einen Sonderfall in der Kategorisierung von Räumen dar. Zurzeit gibt es im Justizsystem der USA eine wichtige Debatte darüber, welche verfassungsmäßigen Rechte jemandem zustehen, der des Terrorismus angeklagt ist und auf einer Militärbasis gefangen gehalten wird – einem Territorium, das der Rechtsprechung der USA unterliegt, in dem aber keine verfassungsmäßigen Rechte gelten. "Guantánamo ist gewissermaßen ein Extremfall eines solchen exterritorialen Gebietes. Es befindet sich noch nicht einmal innerhalb des US-Staatsgebiets, obwohl es unter der Kontrolle dieses Staates steht.“
—Peter Marcuse 2004
Mit Karten sowie Beiträgen von Judith Butler, dem Lawyers Committee for Human Rights und einem Interview mit Kenneth Hurwitz.
An Architektur 5
Mission Critical Facility
Unternehmen der Telekommunikations- und Finanzbranche haben in den letzten Jahren ihre Datenspeicherung und -verarbeitung räumlich von den Büroarbeitsplätzen getrennt und in „Mission Critical Facilities“ ausgelagert. Dies sind unauffällige Gebäude zur Datenspeicherung, deren Sicherheits- und Versorgungstechnik selbst bei Brandfällen, Naturkatastrophen oder Anschlägen die Fortführung der Geschäfte gewährleisten soll. Die Rolle der Planung beschränkt sich bei diesem neuartigen Gebäudetyp auf die Minimierung von Sicherheitsrisiken.
Mit Fotos von Jannes Linders und einem Textauszug von Martin Pawley.
An Architektur 6
Segal/Weizman: Israelische Siedlungspolitik
Bisherige Karten der West Bank stellen die israelischen Siedlungen als Punkte dar, die lediglich einen Ort markieren und eventuell Aussagen über die Anzahl der Bewohner:innen ermöglichen. Die Karte von Rafi Segal und Eyal Weizman, erstellt in Kooperation mit der Menschenrechtsorganisation B’Tselem, zeigt dagegen Form und Ausdehnung der Siedlungen. Bei vielen von ihnen ist die Anlage bedingt durch strategische Ziele wie die Überwachung palästinensischer Städte oder die Störung palästinensischer Infrastruktur. Die Analysen versuchen, einen Zusammenhang zwischen Planungs- und Bauprozessen und Menschenrechtsverletzungen aufzuzeigen.
Mit einem Interview mit Eyal Weizman.
An Architektur 7
Architekten für den Frieden, 1983
„Wir fordern alle Kolleg:innen auf, sich dem Bau von Atomschutzanlagen zu widersetzen und Planungen abzulehnen, die zu einer weiteren Aufrüstung führen. Darüber hinaus rufen wir alle Architekt:innen auf, die Öffentlichkeit über Wirksamkeit und Zweck sowie über die kriegsfördernden Zusammenhänge von Atomschutzbunkern zu informieren und aufzuklären. Wir rufen zu einer Solidarisierung der kritischen Architekt:innen auf, die allein es fertigbringen kann, die Ohnmacht des Einzelnen in einen Druck auf die Regierungen umzuwandeln.“
Mit Reprints der Originaldokumente der Kampagne sowie Interviews mit den damaligen Protagonisten wie Norbert Beier-Xanke, Walter J. M. Bunsmann oder Volkwin Marg.
An Architektur 8
Danscha: Siedlung für demobilisierte Guerillakämpfer:innen
Im kaum erschlossenen nordäthiopischen Tiefland, nahe der Grenze zu Sudan und Eritrea, wird mit deutscher Unterstützung ab 1994 eine Siedlung für demobilisierte Guerillakämpfer:innen der Tigrinischen Befreiungsfront errichtet. Die strategische Lage, die Planungs- und Verwaltungsstrukturen und das Alltagsleben in Danscha lassen die militärischen Hintergründe des Projekts erkennen.
Mit thematischen Karten und Interviews mit Projektbeteiligten.
An Architektur 9
German-Japanese Village, Utah 1943
Auf dem Armeegelände Dugway Proving Ground in Utah wurden 1943 detaillierte Rekonstruktionen typischer deutscher und japanischer Wohnbauten errichtet. Zweck dieser Bauten war die Entwicklung und Erprobung von Brandbomben für alliierte Luftangriffe. Diesem German-Japanese Village genannten Komplex, der unter der Mitarbeit der emigrierten deutschen jüdischen Architekten Erich Mendelsohn und Konrad Wachsmann und des tschechischen Architekten Antonin Raymond entstand, gingen Untersuchungen zur Stadtstruktur, zu Konstruktion und Materialeigenschaften typischer Gebäude und ihrer jeweiligen Möblierung voraus.
Mit Reprints historischer Dokumente.





