Bagan
Architektur in Gebrauch | Heft #7
Von 1982 bis 1994 dokumentierte der Architekt Pierre Pichard im Auftrag von UNDP/UNESCO die Ruinen und Standorte von 2.834 Pagoden, Klöstern und Stupas, die zur Zeit des Bagan-Reiches (11. bis 13. Jahrhundert) erbaut wurden. Pichards Arbeit stellt die erste umfassende Bestandsaufnahme von Bagan dar. Dieses Verzeichnis, das von der UNESCO und der École française d’Extrême-Orient von 1991 bis 2001 in acht Bänden veröffentlicht wurde, sollte die ursprüngliche historische Substanz dieser Denkmäler erfassen und sichern. Ironischerweise lieferten die Bestandsdaten und die dazugehörige archäologische Referenzkarte auch eine nützliche Grundlage für das „Adopt-a-Pagoda“-Programm, das 1995 von der Militärregierung Myanmars ins Leben gerufen wurde. Bis 2011 rekonstruierte das Amt für Archäologie – auf Geheiß der Generäle – mehr als 1.000 Pagoden und errichtete rund 800 neue. Internationale Denkmalschutzexperten kritisierten dieses Projekt scharf, da es ein einheitliches Schema von Baulösungen anwandte, obwohl historische Belege fehlten. AG7 basiert auf zwei Textbeiträgen der Mitherausgeberin Clara Rellensmann: einem Glossar, das einen Überblick über den Kontext gibt, und einem Interview mit dem ehemaligen Generaldirektor des Amtes für Archäologie.